EROTIKTHRILLER / DADDY KINK: Ein neues Kätzchen für die KINGS




SOFÍA

Ich bin außer Atem, als ich mich gegen die Ziegelwand lehne, und ich schnappe nach Luft. Jetzt bloß kein Geräusch machen, geht es mir durch den Kopf. In der Gasse kann ich Schritte hören, die Männer reden wild durcheinander. Jemand kommt näher und ich ducke mich in die dunkelste Ecke und presse die kleine Ledertasche fest an meine Brust. Dann halte ich die Luft an, bis sich die Schritte wieder entfernen. »Hier ist sie nicht«, höre ich den Mann sagen.

Ich kenne die Stimme nicht, vermutlich habe ich ihren Besitzer nie gesehen. Vielleicht keinen der Männer. Aber für wen sie arbeiten, weiß ich genau.

Die Kerle gehen weiter, an der Ecke schwillt das Stimmengewirr an. Dann höre ich ein paar Motorräder aufheulen. Sicherheitshalber bleibe ich noch ein paar Augenblicke länger in meinem Versteck. Dann spähe ich mit klopfendem Herzen um die Ecke. In der Gasse ist nichts mehr von den Männern zu sehen. Drüben auf der Hauptstraße auch nicht. Erleichtert atme ich auf. Nichts wie weg von hier! Meine Beine tragen mich in die entgegengesetzte Richtung, in die die Motorräder gefahren sind, direkt hinunter zum Meer. Die Straßen dorthin sind so gut wie leer, kein Wunder um diese Uhrzeit. Die meisten Nachtschwärmer sind inzwischen nach Hause gegangen und die letzten Kneipen sperren bald zu. Noch eine Stunde vielleicht, bis die Sonne aufgeht. Lange kann mich die Dunkelheit nicht mehr schützen.

Ich gehe meine Optionen durch, während ich am Hafen Barcelonas entlang laufe, und atme die frische Meeresluft ein. Zurück in die Wohnung kann ich nicht, da haben sie mich schon einmal gefunden. Die Adressen meiner Freunde kennen sie inzwischen möglicherweise auch. Außerdem will ich niemanden in die Sache mit reinziehen. Ich bin auf mich alleine gestellt. Am Flughafen und am Bahnhof werden sie vermutlich zuerst nach mir suchen, da ist es besser einen Bus oder ein Taxi zu nehmen. Raus aus der Stadt, ganz egal wohin, das ist der Plan. Gleich vor dem Yachthafen, dort wo die Nachtmeile startet, ist ein Sammelpunkt.

Ich streiche über die Tasche in meiner Hand und ertastete das dicke Bündel Geldscheine und den Pass. Mehr habe ich in der Eile nicht mitnehmen können. Aber mehr brauche ich auch nicht. Ich habe schon einmal ganz von vorne angefangen und ich werde es wieder schaffen.

Ich spüre einen kühlen Schauer über meinen Rücken huschen und habe mit einem Mal das Gefühl, beobachtet zu werden. Ich fahre herum, aber auf der Straße ist niemand zu sehen. Meine Augen scannen die Gegend noch ein weiteres Mal, dann wandern sie rüber zum Peer. Kleine, mittlere und größere Yachten liegen dort vor Anker, Boote von Hobbyseglern, von Neureichen, von alteingesessenen Familien und von Charterfirmen. Die meisten Yachten sind weiß wie Schnee, ein paar wenige haben auch blaue, silbergraue oder goldfarbene Elemente. Die Yacht, die meinen Blick anzieht, ist allerdings genauso finster wie die verbleibende Nacht. ›King George‹ steht mit großen Lettern am schwarzgrauen Heck. Der Kerl, der gleich über dem Schriftzug an der Reling lehnt und mich beobachtet, ist noch um einiges dunkler. Für den Bruchteil einer Sekunde treffen sich unsere Augen und ich zucke zusammen. Er trägt ein schwarzes Leinenhemd, das vorne offen steht, und eine muskulöse, braungebrannte Brust zeigt, die von breitflächigen Tattoos bedeckt ist. Am Kopf hat er einen schwarzen Hut, im Mundwinkel eine Zigarre. Langsam und genüsslich bläst er den Rauch in kleinen Kreisen in die Luft, während mich seine dunklen Augen taxieren.

»Du bist die neue Stewardess, oder? Die anderen haben auf dich gewartet.«

»Ja?« Ich bleibe überrumpelt vor der Gangway stehen, die die Yacht mit dem Hafen verbindet, und starre den Fremden an. Er ist eindeutig die Sorte Mann, vor der Mütter ihre Töchter warnen. Ein Kerl, der über einen kommt, wie ein Hurrikan. Der einem den Atem raubt, einen in den Himmel hebt und das ganze Leben durcheinanderwirbelt. Ein Hurrikan, aus dem niemand heil wieder rauskommt. Dass dieser Wirbelsturm mir möglicherweise den Arsch retten könnte, wird mir erst einen Augenblick später bewusst.

»Der Rest der Crew ist schon gestern Abend angekommen. Maria hat dich nicht am Handy erreicht. Ich denke, sie hat der Agentur schon ein paar böse Nachrichten aufs Band gesprochen.«

Er legt den Kopf schief und musterte mich noch einmal von oben bis unten. Ich kann seinen Blick auf den derben Lederboots spüren, die ich in der Eile nicht richtig zugebunden habe. Ganz langsam wandert er von dort meine Beine nach oben. Streicht über die bronzene Haut meiner Oberschenkel und bleibt kurz am unteren Rand meines olivgrünen Seidenkleids hängen. Dann fixiert er den tiefen Ausschnitt des Kleides, der ein großzügiges Dekolleté zeigt. Mir wird schlagartig heiß. Ob er erkennt, dass ich nur ein Negligé trage … und nichts darunter?

Die Typen haben mich mitten in der Nacht überrumpelt. Nachdem mich die Geräusche an der Tür aus dem Schlaf gerissen haben, sind mir bloß wenige Augenblicke zur Flucht geblieben. Ich habe die Tasche geschnappt, die erstbesten Schuhe und eine Jacke. Dann bin ich über die Feuerleiter neben dem Küchenfenster nach unten geklettert und gerannt.

Instinktiv raffe ich die Lederjacke fester zusammen, damit mir der Kerl nicht so ungeniert auf die Brust starren kann. Er grinst, vermutlich amüsierte ihn mein Outfit. Wie eine Yacht-Stewardess sehe ich wohl eher nicht aus.

»Wie heißt du?«, fragt er.

»Sofía.«

Ich muss die Lederjacke loslassen, um mir eine hartnäckige dunkle Locke aus dem Gesicht zu streichen, die einfach nicht aufhören will zu kitzeln. Dann ziehe ich sie schnell wieder vor meinem Busen zusammen.

»Gefällt mir«, sagt der Typ und lässt offen, ob er damit den Namen, mein Outfit oder mich meint. Dann schnippt er seine Zigarre ins Meer, dreht sich um und verschwindet ins Innere der Yacht.

Einen Augenblick lang bleibe ich mit offenem Mund vor dem Boot stehen und starre die dunkle Glasfront an, hinter der der Typ verschwunden ist. Die ›King George‹ ist mindestens 30 Meter lang, wie ich vermute. Alles daran sieht teuer aus, sogar die Gangway. Und doch liegt sie einfach so da, dass jeder, der möchte, an Bord gehen könnte. Verbrecher. Diebe. Oder jemand wie ich.

Ich zögere kurz, aber als ich in der Ferne Motorräder höre, streife ich mir doch die Schuhe von den Füßen und werfe sie in den Korb, der schon Sneaker, Lederschuhe und Flip Flops beherbergt. Dann ziehe ich mein Handy aus der Tasche und hole sicherheitshalber die SIM-Karte raus. Ich weiß ja nicht, ob diese Typen mich orten. Jetzt noch einmal tief durchatmen, dann schreite ich mit klopfendem Herzen über die Gangway.

Zwei Treppen führen links und rechts an der Hinterseite des Bootes nach oben bis zu der Reling, an der eben noch mein mysteriöser Beobachter gestanden hat. Die Glastür, hinter der er verschwunden ist, ist nicht ganz zugezogen. Dahinter liegt eine Art Wohnraum, der ein bisschen an die schicken Salons teurer Hotels erinnert, und von gedimmten Deckenspots dezent beleuchtet wird. Die Einrichtung ist hell und freundlich, anders, als das düstere Exterieur der Yacht vermuten ließe. Beige Ledermöbel, Tropenholz und kunstvolle Figuren aus Messing. Dazu frische Blumengestecke und Kissen, die mit hellem Leinenstoff bezogen sind, auf denen eine Art Familienwappen mit Krone prangt. Am Ende der Wohnlandschaft steht noch ein größerer Esstisch aus Teakholz, mit einer schweren Glasplatte drauf. Im Vorbeigehen lasse ich meine Finger über das glatte Glas gleiten und beuge mich über die Mitte des Tisches, um an dem üppigen Blumengesteck aus weißen Orchideen, Inkalilien und Palmblättern zu schnuppern. Süßer, frischer Blütenduft steigt mir in die Nase – die Pflanzen sind eindeutig echt.

Ich gehe am Tisch vorbei und weiter bis zur angrenzenden Küche, die mit allerlei moderner Gerätschaft ausgestattet ist, daneben liegt ein weiterer Raum mit unzähligen Regalen, die mit Vorräten gefüllt sind. Den Gang hinunter gibt es noch eine weitere Tür, aber irgendetwas sagt mir, dass ich die besser zulassen sollte. Dunkel habe ich von einer Fernsehsendung in Erinnerung, dass sich bei größeren Yachten meist der Masterbedroom am selben Deck wie der Salon befindet.

Auf leisen Sohlen schleiche ich die Stiege hinunter zum Lower Deck. Der Gang unten ist spärlich beleuchtet, vier Türen sind hier zu finden. Zwei davon sind weit geöffnet und führen mich in großzügig geschnittene Kabinen, mit breiten Betten, einer geräumigen Garderobe und einem eigenen Badezimmer darin. Durch die großen runden Fenster über den Betten sieht man das Wasser schaukeln. Die Leintücher sind ordentlich zusammengeschlagen und penibel gefaltet. Keines der beiden Zimmer wirkt so, als würde es jemand benutzen. Vielleicht sind die Gäste noch gar nicht an Bord.

Die dritte Tür ist allerdings verschlossen, wie ich an der roten Anzeige sehen kann, die vierte ist angelehnt und dahinter sind Geräusche zu hören.

»Hallo?«, frage ich vorsichtig in die Dunkelheit.

Keine Antwort.

Ich klopfe gegen die Tür und erschrecke, weil sie durch den sanften Druck etwas weiter aufschwingt. Ein riesiges Bett steht in der Mitte des Raumes und ist mit dunklen, schimmernden Laken bezogen. Darauf liegt der Typ, den ich vorhin an Deck gesehen habe. Mit Hut, nacktem Oberkörper und breitflächigen Tattoos. Doch diesmal ist der Kerl nicht alleine.

Eine Blondine und eine Brünette knien über seiner Mitte, beide sind vollkommen nackt. Er hat die Hände auf ihre Köpfe gelegt und streicht über das lange Haar, während die Mädchen sich küssen. Die beiden haben mich noch gar nicht bemerkt, sie haben nur Augen für ihn. Kichernd widmen sie sich seinem besten Stück, das zwischen ihren Köpfen emporragt. Zwei lange Zungen gleiten über den Schaft. Rote Lippen küssen ihn, spielen mit ihm. Konkurrieren darum, das Teil verwöhnen zu dürfen. Und dieses Teil hat es in sich.

Ich beiße mir auf die Zunge, ertappt, weil mich der Kerl angrinst, während ich so unverhohlen auf seinen Schwanz starre. Im selben Augenblick höre ich eine scharfe Stimme von hinten.

»Was zum Teufel machst du hier?«

Ich fahre herum und blicke in das entsetzte Gesicht eines jungen Mannes, der ein weißes Polohemd mit demselben Wappen der Zierpolster trägt. Mit einem Satz ist er bei mir, entschuldigt sich lauthals bei dem Playboy im Zimmer und zieht eilig die Tür vor meiner Nase zu.

»Ich bin Sofía«, sage ich und bleibe wie angewurzelt vor dem nunmehr verschlossenen Zimmer stehen, in dem die Orgie munter weitergeht.

»Na los, beweg dich, komm mit! Hier bei den Suiten hast du überhaupt nichts verloren!«

Der Typ packt mich unsanft am Handgelenk und schleift mich den Gang entlang hinter sich her und dann noch eine weitere Stiege hinunter.

»Das hier ist der Bereich für die Crew.« Stirnrunzelnd betrachtet er mich von oben bis unten. »Wieso kommst du überhaupt erst jetzt? Du hättest schon gestern da sein sollen.«

»Private Probleme?«

Er lässt die Antwort gelten.

»Dahinten ist die Kabine, die du mit Maria teilst. Sei leise, sie schläft noch. Eure Schicht beginnt erst um sieben. Die Kojen von mir und Taro sind gegenüber. Die dritte Kabine gehört Captain Davis. Ich bin Andy, Deckhand, by the way.«

»Sofía.«

»Sagtest du schon.« Er ignoriert die Hand, die ich ihm entgegenstrecke, und mustert mich skeptisch. »Hast du keinen Koffer dabei? Wäsche und so?«

Ich schüttle den Kopf. »Nur die Tasche.«

Er runzelt wieder die Stirn, aber fragt zum Glück nicht weiter nach. »Na gut, wie du meinst«, sagt er und macht einen Schritt Richtung Tür. »Maria wird dir später zeigen, wo du die Arbeitskleidung findest.«

»Warte.« Er dreht sich um und wartet ungeduldig auf meine Frage. Was für ein Job das eigentlich ist, würde ich gerne wissen. Wo die Reise hingeht und für wie lange. Und natürlich möchte ich mehr über die Besitzer und Gäste der Jacht erfahren. Aber vermutlich müsste die Stewardess, für die ich mich gerade ausgebe, das alles schon wissen. Also halte ich besser die Klappe.

»Also?«

»Tut mir leid wegen vorhin«, sage ich und er nickt.

Dann öffne ich leise die Tür und schlüpfe in die dunkle Kabine.