Das Dienstmädchen: benutzt und verliehen




Das Dienstmädchen - Teil 4
benutzt und verliehen

„Julie, ich hätte eine Bitte an dich!“

Alexander von Winterstein sieht mich mit seinen großen, blauen Augen an und schenkt mir ein unwiderstehliches Lächeln.

„Ja?“, frage ich und lasse den Staubwedel sinken, mit dem ich eben noch das Regal von Flusen befreit habe.

„Du weist, dass wir heute Abend ein paar Gäste zum Dinner haben?“

Ich nicke. Wie könnte ich das vergessen, wo ich schon den ganzen Tag jeden Winkel des Speisesaals akribisch gereinigt und alle Gedecke und Deko-Elemente mit mathematischer Präzision über den eleganten Esstisch verteilt habe.

„Ich bin es leid, bei allen Veranstaltungen dieselbe Dinner-Musik zu hören. Ich finde Live-Musik viel besser. Und wann hat man schon eine begnadete Spielerin im Haus?“

Das Grinsen vergeht mir, als ich realisiere, dass er mich damit meint.

„Julie, würdest du heute Abend für uns spielen?“

Er bleibt vor mir stehen und sieht mir so eindringlich in die Augen, dass ich alles vergesse, was mir eben noch durch den Kopf gegangen ist. Ich kann nicht anders, als zu nicken.

„Danke Julie, damit tust du mir einen sehr großen Gefallen.“

„Welches Stück soll ich denn für Ihre Gäste spielen?“

„So etwas wie beim letzten Mal würde passen. Oder vielleicht doch lieber etwas Klassisches“, sagt er nachdenklich. „Aber eigentlich ist mir das Was gar nicht so wichtig. Wichtig wäre mir allerdings das Wie!“

„Was meinen Sie?“

Alexanders Finger streicheln über meine Wange und bleiben unter meinem Kinn liegen. Sanft hebt er meinen Kopf und lehnt sich näher zu mir hinunter, bis seine Lippen ganz nahe an meinem Ohr sind.

„Ich möchte, dass du nackt für uns spielst, Julie. So wie neulich.“

„Nackt?“, wiederhole ich ungläubig.

Er nickt. „Du bist wunderschön, wenn du nackt spielst!“

„Aber da sind doch die Gäste!“

„Gut ausgewählte, sehr diskrete Gäste“, versichert er mir.

„Aber ich kann doch nicht…“

Er verschließt meine Lippen mit seinem Zeigefinger. „Ich weiß, dass du das kannst, Julie.“

„Das ist nicht Bestandteil unseres Vertrages“, sage ich und weiche seinem Blick aus, weil ich Angst habe, sonst wieder schwach zu werden.

„Genau genommen ist es das schon“, sagt er mit sanfter Stimme. „Jede Art von Dienst, ist das.“ Er greift nach meinem Gesicht, um mich wieder ansehen zu können. „Aber ich möchte nicht, dass du das wegen dem Vertrag machst, Julie. Ich möchte, dass du das für mich machst.“

„Ich…“

Wieder spüre ich seinen Finger auf meinen Lippen. Dieses Mal allerdings ist er nicht da, um meinen Protest du verhindern. Dieses Mal zeichnet er meinen Mund nach und schiebt sich dann sanft zwischen meine Lippen, um sich von meiner Zunge verwöhnen zu lassen. Es ist eine kleine Geste, doch sie reicht aus, um ein begehrliches Ziehen in meinem Unterleib zu verursachen. Verdammt, wieso hat dieser Mann bloß so viel Macht über meinen Körper? Ich kann spüren, wie mir immer heißer wird und wie meine Knie immer mehr nachgeben, während mein Widerstand bröckelt.

„Wirst du mir den Gefallen tun?“, raunt er mit tiefer, etwas rauchiger Stimme.

Im Spiegel hinter ihm sehe ich mich nicken.

 

Verflucht, was habe ich mir da nur wieder eingebrockt? Unsicher rutsche ich auf der samtenen Bank hin und her und versuche mein Cello so zu positionieren, dass möglichst wenig nackte Haut zu sehen ist. Ich bin so nervös, dass meine Wangen glühen und dass sich meine Hand zitternd am Bogen festhält. Bestimmt mache ich hundert Fehler beim Spielen!

Ich ernte einen kritischen Blick von Tatjana, der russischen Haushälterin, während sie der Tafel den letzten Schliff gibt. Wahrscheinlich denkt sie, es wäre meine Idee gewesen, mich in den Mittelpunkt zu drängen. Draußen kann ich Katharina von Winterstein hören, wie sie den Servicekräften ein paar letzte Anweisungen gibt und wie sie gemeinsam mit ihrem Mann die ersten Gäste empfängt, als es an der Tür läutet.

Mein Herz schlägt bis zum Hals, als die Besucher den Salon betreten. Es sind feine Leute, Herren in dunklen Anzügen und Damen in langen, eleganten Abendkleider, die sich um den Tisch versammeln und lächelnd an ihren Sektflöten nippen. Ein paar von ihnen erkenne ich von Alexanders letzter Feier wieder. Hin und wieder sieht mich jemand an, mustert mich neugierig und wendet sich dann wieder seinem Gesprächspartner zu. Erst als alle Gäste begrüßt sind und Alexander von Winterstein das Wort ergreift, ist mir die volle Aufmerksamkeit sicher.

„Darf ich vorstellen: Das ist Julie, unser Hausmädchen. Julie studiert am Konservatorium und sie wird heute Abend unser Dinner mit ein paar ausgewählten Stücken begleiten.“

Die Leute nicken freundlich, klatschen in die Hände. Keiner sagt etwas dazu, dass ich nackt bin. Entweder es fällt ihnen gar nicht auf, oder aber es ist ihnen schlicht weg egal.

Mit dem ersten Gang beginne ich zu spielen. Ich muss die Augen schließen, mir vorstellen alleine zu sein - oder zumindest angezogen. Als die sanften Klänge von Bachs Suite am Cello erklingen, wird es ruhig im Saal.

„Schön“, höre ich eine Stimme raunen, „Wirklich wundervoll“, sagt jemand anders.

Es geht ihnen um die Musik, denke ich und versuche selbst alles andere zu vergessen. Ich spiele, wie ich immer gespielt habe. Lasse ein Lied nach dem anderen erklingen, während die Gäste nacheinander ein Consommé, Lachs-Carpaccio und Boeuf Stroganoff serviert bekommen. Meine Finger ziehen den Bogen schwungvoll über die Saiten, kitzeln sie und entlocken ihnen eine so stimmungsvolle Melodie, dass ich mich selbst in ihr verlieren könnte. Die Augen halte ich fest geschlossen. Konzentriere mich voll und ganz auf die Musik. Bis ich eine Hand spüre, die mir zärtlich über die Schulter streicht, während Tschaikowskys Rokkoko Variationen leise ihren Ausklang finden.

„Ist sie nicht wundervoll?“, höre ich Alexander hinter mir sagen. „Unsere Julie spielt aber nicht nur perfekt Violoncello. Sie spielt auch Violine.“

Mir wird erst klar, worauf er hinaus will, als er nach meinem Instrument greift, um es mir abzunehmen.